Schulentwicklung in Louisenlund

Louisenlund, 06.03.2017

Sehr geehrte Alt-Louisenlunder,

mit diesem Brief möchte ich Sie über die aktuelle Entwicklungen in Louisenlund informieren.

Schulentwicklung in Louisenlund

Wie Sie wissen, haben wir in den vergangenen Jahren das Gymnasium und Internat Louisenlund zu einem Bildungscampus Louisenlund mit breitem Angebot ausgebaut.

Als IB World School bieten wir mit dem IB Diploma programme einen englischsprachigen Bildungs-gang als Alternative zur gymnasialen Oberstufe an. Durch die internationale Hochschulreife haben wir die sprachliche und kulturelle Vielfalt deutlich ausgebaut und bieten insbesondere Schülerinnen und Schülern einen international sehr anerkannten Abschluss an, die in ihrer bisherigen Bildungsbiografie in englischsprachigen Bildungsgängen waren.

Mit der Grundschule Louisenlund ermöglichen wir vor allem Kindern aus der Region eine bruchfreie Bildung von der ersten Klasse bis zum Abitur oder IB. Gleichzeitig stärken wir künftig die gymnasiale Unterstufe und unsere regionale Verankerung in der Schlei-Region.

Das Programm plus-MINT, in dem wir ab der 9. Klasse TOP-Talente im Bereich Mathematik, Informa-tik, Naturwissenschaft und Technik als eine Spezialklasse nach Louisenlund holen, verschafft uns ein hohes Maß an politischer Legitimation, Vorteile bei der Lehrerakquise und Zugänge zu Unternehmen, Stiftungen und Verbänden, von deren Aktivität in Louisenlund alle Schülerinnen und Schüler profitieren.

Mit diesen strukturellen Erweiterungen wurde ein langfristiger und stetiger Wachstumsprozess angeschoben, was die Entwicklung der Schülerzahlen betrifft. Letztlich trägt all das langfristig zu einer Stabilisierung der wirtschaftlichen Lage der Stiftung Louisenlund bei und ermöglicht den Schülerinnen und Schülern eine größere Angebotsvielfalt, so dass Stärken und Talente aller bestmöglich gefördert werden können.

Die angesprochene Entwicklung bietet für Louisenlund die große Chance, sowohl eine pädagogische und abgeleitet davon auch eine bauliche Erneuerung und Erweiterung umzusetzen. Wir sind uns sicher, dass wir damit die Möglichkeit haben, Louisenlund in die obere Liga der Schulen in Europa zu bringen. Davon profitieren selbstverständlich alle Schülerinnen und Schüler in Louisenlund, aber auch Sie als Alt-Schüler, denn wer würde nicht stolz auf seine „alte“ Schule sein, wenn sie sich gut entwickelt und wenn man auch später im Leben genau darauf angesprochen wird.

Die vergangenen Monate der Prüfung und Abwägung verschiedener Varianten hat nun zu einigen Entscheidungen geführt, mit denen wir diese Prozesse konkret anschieben wollen und über die ich Sie gerne informieren möchte:

1. Ab dem kommenden Schuljahr starten wir ein umfangreiches Programm der pädagogisch inhaltlichen Erneuerung. Hierzu zählt die Rückbesinnung auf unsere reformpädagogischen Wurzeln von Kurt Hahn und Maria Montessori und deren Interpretation in die heutige Zeit, ebenso wie die Aufarbeitung aktueller Erkenntnisse aus den verschiedenen Bildungswissenschaften für den konkreten Unterrichtsalltag. Über allem steht das Werteversprechen Louisenlunds, dass aus den uns anvertrauten Kindern selbständige, leistungsbereite und weltoffene Persönlichkeiten werden, die Verantwortung für sich und andere übernehmen. Das Ziel der akademischen Bildung ist es, die Potentiale jedes einzelnen Kindes bestmöglich zur Entfaltung zu bringen. Das gelingt nur, wenn das Kind zentraler Akteur seiner eigenen Bildungsbiografie wird. Lernen in diesem Sinne ist Selbstbildung, die im aktiven Austausch mit anderen erfolgt. Wir Lehrkräfte sind Ko-Konstrukteure des Weltbildes unserer Kinder. Wir gestalten die Beziehung und den Rahmen, den Raum, die Größe der Lerngruppe, den Grad der Aktivierung, die Materialien. Wir unterstützen, treiben an und trösten. Wir geben Impulse, fordern heraus und loben. Lernen aber muss jedes Kind eben doch für sich selbst. Dieses Verständnis wollen wir als Louisenlunder Pädagogik künftig noch stärker im Alltag leben.

2. Um vor dieser Erkenntnis Lehr-Lern-Prozesse zukünftig noch besser gestalten zu können, haben wir uns vorgenommen, ab dem kommenden Schuljahr jede pädagogische Fach- und Lehrkraft mit etwa 10% der Arbeitszeit für die Schulentwicklung und eigene Fortbildung freizustellen. So kann gemeinsam und höchst individuell an der eigenen Fach- und Methodenkompetenz gearbeitet werden, vor allem aber auch an der pädagogischen Handlungskompetenz. Frau Dierck und Herr Steffen als Kollegen mit einem Höchstmaß an Erfahrung, eigener Kompetenz und auch persönlicher Integrität werden ab dem Sommer als Lerncoaches für unsere Lehrkräfte und Hauseltern zur Verfügung stehen. Sie werden das „Louisenlunder Institut für Schul- und Qualitätsentwicklung“ gestalten und ein Programm der kontinuierlichen beruflichen Weiterqualifikation aufbauen und umsetzen.

3. Um Frau Dierck und Herrn Steffen als Lehrer-Lehrer weitgehend freistellen zu können und dennoch die umfangreichen Aufgaben in der Schul- und Internatsleitung auch künftig gut bewältigen zu können, suchen wir ab dem Sommer zwei neue Leitungsmitglieder als Schul- bzw. Unterrichtsleitung und als pädagogische bzw. Internatsleitung, die gemeinsam mit mir als Leiter der Stiftung und mit Frau Grube als Wirtschaftsleiterin das Leitungsteam vervollständigen.

4. Baulich werden wir Lehr- und Lernräume für alle Schülerinnen und Schüler schaffen, von der Grundschule bis zum IB oder Abitur, die die Umsetzung der Louisenlunder Pädagogik ermöglichen, den Schüler also als Akteur seiner Bildungsbiografie ins Zentrum rücken und dem Lehrer ermöglichen, seine Rolle als Coach und Begleiter bestmöglich zu gestalten. Hierfür bauen wir ein Grundschulgebäude neu (anstelle der bisherigen Remise auf dem Hof), entkernen und sanieren das Erdgeschoß der Scheune auf dem Hof, so dass dort Lehr- und Lernräume für die Jahrgangsstufen 5 bis 8 entstehen, und bauen ein modernes Studienzentrum mit einem Forschungszentrum für die Naturwissenschaften und Technik für die Jahrgänge 9 bis 12 in Abitur und IB auf der Fläche südlich des Eschen- und Kavalierhauses. Alle diese Neu- und Umbauten sollen bis zum Sommer 2020 fertig gestellt sein. Wir gehen davon aus, dass die Baumaßnahmen den Betrieb in Louisenlund nur wenig einschränken, sind aber sicher, dass wir vorübergehend mit mobilen Lösungen für Unterrichts und Wohnräume arbeiten werden um ausreichend Raum zur Verfügung zu haben.

Ich bin überzeugt davon, mit diesen Weichenstellungen und Entscheidungen nun den notwendigen Prozess der Erneuerung und Erweiterung Louisenlunds mit dem richtigen Maß und den für unsere Stiftung angemessenen Maßnahmen anzuschieben und zu ermöglichen. Ich freue mich und hoffe sehr darauf, dass Sie als Alt-Schüler diesen Weg weiterhin wohlwollend begleiten.

Mit freundlichem Gruß

Dr. Peter Rösner

Leiter der Stiftung Louisenlund

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