Der ALB trauert um Hermann-Hinrich Reemtsma

Symbolbild zum Thema Trauer

Der ALB trauert um Mitglied Hermann-Hinrich Reemtsma.

* 30. April 1935  † 29. September 2020

 

Hinrich ist natürlich vor allem zu würdigen als herausragender Mäzen, Philanthrop, Förderer von Musik, Kunst, Denkmalschutz, sozialen Einrichtungen und großen Projekten, und dazu gehörte ganz besonders auch Louisenlund.

Aus der Sicht des Altlouisenlunders und als langjähriger Geschäftsführer der Stiftung beleuchte ich mithin nur einen sehr begrenzten Ausschnitt aus seinem weitgespannten Leben, aber dieser ist vielleicht exemplarisch.

Als einer der Absolventen des ersten Louisenlunder Abiturs (1955) gehörte er einer Wertegemeinschaft an, die ganz wesentlich und reinsten Wassers von der Satzung der Stiftung Louisenlund geprägt wurde und die er zeitlebens nicht verlassen hat. Deren Kern war und ist die Erziehung zu „ wahrheitsliebenden, weltoffenen, furchtlosen in sich selbst ruhenden, Masseninstinkten nicht unterworfenen, der Gemeinschaft bewußt und freiwillig dienenden Menschen“. Damit einher gingen bei Hinrich eine prinzipielle Bescheidenheit und Sparsamkeit in allen Lebenslagen, das Zurückstellen der eigenen Person und die Maximen „Das Einfache ist (meist) das Beste“ und „Weniger ist (oft) Mehr“. Äußerlich zeigte sich das an seinen immerwährenden, jahreszeit-unabhängigen, feuerfesten Flanellanzügen und betagten, aber doch durablen Autos, an zuweilen geringer Redebereitschaft und absoluter Uneitelkeit. Dahinter steckte ein wacher, interessierter, handlungsorientierter („Butter bei die Fische“ sagte er gern) Geist, oft in kongenialem Gespann mit dem unvergessenen Altlouisenlunder Karl-August-Hopmann. Veränderungen in Louisenlund und auch den – zu - lange andauernden Generationenkonflikt nach „1968“ verfolgte er zugleich mit großzügiger Gelassenheit und Pragmatismus wie auch mit kritischer Beurteilung und klarer Ansage, wozu ihn Glück und Bürde der eigenen Herkunft besonders prädestinierten. Ein feiner Humor, zuweilen mit leicht sarkastischen Bemerkungen gewürzt, Warmherzigkeit, freundschaftliche Verbundenheit und eine liebevolle Beziehung zur „Seele“ Louisenlunds gingen einher.

Louisenlund konnte mit Hinrichs Hilfe viele kleine, große und sehr große Vorhaben verwirklichen. Hinrich wäre es sicher gar nicht so recht, Einzelheiten zu veröffentlichen. Es besteht Grund zu großer Dankbarkeit.

Ich bin überzeugt, dass wir als Altlouisenlunder und aktive Louisenlunder aus den Charaktereigenschaften und dem Vermächtnis von Hinrich gerade für unsere heutigen und künftigen Herausforderungen sehr viel lernen und gewinnen können.

Mir persönlich war Hinrich ein überaus wichtiger Ratgeber und treuer Freund, an den ich immer dankbar denken werde. Vieles von dem Gesagten ist stellvertretend für eine Generation von Altlouisenlundern zu verstehen, die uns traurigerweise nun nach und nach verlässt. Hinrichs Familie begleitet Louisenlund zahlreich weiter, wie dem Mitgliederverzeichnis mit Freude zu entnehmen ist!

Wir werden Hinrich immer in dankbarer Erinnerung behalten.


Moritz Graf zu Knyphausen


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